Lea Fröhlicher (Basel und Solothurn) und Joanna Zabielska (Wien und Warschau) realisierten in PERIPHERIE 8 eine ortsspezifische Installation, die zum Benutzen einlädt.
In und auf Möbelstücken platzierte Screens bieten einen Einblick in zwei vergangene Arbeiten in Tbilisi (GE) und Warschau (PL) rund um die Thematik des
Wohnens und der Belebung von öffentlichem Raum.
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C`Mon Room, Ausstellungsansicht, PERIPHERIE 8, Basel, 2023
Lea Fröhlicher und Joanna Zabielska haben sich 2018 in Yerevan, Armenien kennengelernt und arbeiten seitdem immer mal wieder an gemeinsamen künstlerischen Projekten.
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Ausgangslage für ihr Projekt in der PERIPHERIE 8 ist das multimediale, partizipative Projekt «C’Mon Room», welches von Joanna Zabielska erstmals 2018 in in Tbilisi, Georgien, im Rahmen der Tbilisi Architecture Biennial initiiert wurde. Damals stiess Lea Fröhlicher zu «C’Mon Room»dazu und erweiterte das Projekt um eine filmische Ebene. Fröhlicher war mehrere Tage mit ihrer Kamera als künstlerische Kollaborateurin vor Ort mit dabei. Es entstanden Videoaufnahmen – der Materialien, Aufbauprozessen, partizipativen Situationen, Nutzung der Installation. Aus diesen Aufnahmen wurden mehrere Videos geschnitten, die erstmals im Juni 2019 in der Ausstellung «Re-Direct» in der «Labilen Botschaft» in Wien in einer installativen Situation präsentiert wurden.

C`Mon Room, Ausstellungsansicht, PERIPHERIE 8, Basel, 2023
C’Mon Room-Projekt in Gldani, Tbilisi, Georgien
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«Erst das Leben, dann die Räume, dann die Gebäude - andersherum geht es nicht» (Jan Gehl)
Der Stadtteil Gldani ist jedoch das Ergebnis des «umgekehrten» Ansatzes. Gldani wurde in aller Eile gebaut, um eine bestimmte Anzahl von Wohnungen zu schaffen, und nimmt dabei wenig Rücksicht auf den Raum zwischen den Gebäuden. Ausserdem konnte Gldani, das unter einem repressiven politischen Regime gebaut wurde, keinen Aussenraum im Sinne von Freiräumen bieten.
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Kein Wunder, dass alle Versuche, ein unabhängiges Leben zu führen, im Inneren, in weniger kontrollierten privaten Räumen stattfanden.
Öffentlicher Raum im Sinne von gemeinschaftlich genutztem Boden ist in Gldani daher kaum vorhanden.
Der C‘mon room ist ein Versuch, diesen öffentlichen Raum zu schaffen und das Leben aus dem privaten in den öffentlichen Raum zurückzuholen.
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Eine Drahtgitterinstallation, die auf dem durchschnittlichen Grundriss einer Gldani-Wohnung basiert, bietet eine Bühne für soziale Interaktionen. Sie bietet der Nachbarschaft einen freien und offenen Raum, um Gedanken, Ideen und kritische Reflexionen über den physischen und sozialen Zustand Gldanis auszudrücken.

C`Mon Room, Ausstellungsansicht, PERIPHERIE 8, Basel, 2023



C‘mon Room, Gldani, Filmstills, Tibilisi, 2018


Herzlichen Dank für die Unterstützung 2023/Thanks for the support 2023
Joanna Zabielska
Joanna Zabielska arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Design, Architektur und Stadtplanung und befasst sich mit den sozialen und räumlichen Fragen der Transformation der Stadt. Mit verschiedenen Medien - von VR-Installationen über aufblasbare Skulpturen bis hin zu Kochperformances - entwickelt sie partizipative, ortsspezifische Projekte in Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft. Nach ihrem Abschluss in Stadtplanung an der Technischen Universität Wien und in Sozialdesign an der Universität für angewandte Kunst Wien, wo sie derzeit im Studiengang Digital Arts eingeschrieben ist, versucht sie, Design- und Kunstpraktiken miteinander zu verbinden.
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„Ich denke, dass jede Kunst soziales Bewusstsein hat. Es gibt keine Alternative. Was auch immer wir produzieren, enthält eine politische und soziale Aussage.“ Sie stimmt Alfredo Jaar voll und ganz zu und glaubt ausserdem, dass eine partizipative und sozial engagierte Kunst zu einem tatsächlichen sozialen und politischen Wandel beitragen kann. Indem sie die von der Gesellschaft akzeptierten Beschränkungen nicht übernimmt, kann sie Alternativen aufzeigen und dazu anregen, das Gleiche auf neue Weise zu sehen. Gemäss der Aussage von Krzysztof Wodiczko: „Nur Kritik ist nicht genug, Kunst sollte auch etwas vorschlagen“.
In Wien und Warschau ansässig, hat sie auch Projekte in internationalen und multikulturellen Umgebungen realisiert (in den letzten Jahren im Kaukasus - Georgien und Armenien, im Nahen Osten - Libanon, kürzlich auch in New York).
Lea Fröhlicher
Lea Fröhlicher wurde 1986 in Bern geboren und wohnt in Basel und Solothurn. Master in Art Education mit Lehrbefähigung, Hochschule der Künste Bern.
Lea Fröhlicher ist als Kunstschaffende, Filmemacherin sowie Kunst- und Kulturvermittlerin tätig. Ihr Schaffen bewegt sich zwischen Installation, Videoarbeiten, Aktion und Film. Regelmässig arbeitet sie auch in Kooperationen, u.a. mit Olivia Hegetschweiler, Joanna Zabielska. Lea Fröhlicher betätigt sich seit 2015 als Freie Mitarbeiterin in der Kunst– und Kulturvermittlung im Neuen Museum Biel. Seit 2010 realisiert sie Auftragsarbeiten im audiovisuellen Bereich, u.a. als Videojournalistin (Kamera, Schnitt) für arttv.ch. Zudem wirkt sie bei der Filmgenossenschaft point de vue in Basel als Autorin, Regisseurin und Produzentin mit. 2018 wurde ihr von Atelier Mondial ein sechsmonatiges Atelier-Stipendium für Jerewan, Armenien und 2021 vom Schloss Waldegg SO ein dreimonatiges Atelierstipendium in der Villa Ruffieux Sierre zugesprochen. Fröhlicher wurde für den Prix Mobilière 2021 nominiert.
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Die Beziehungen zwischen Menschen und Orten prägen ihre Werke und haben zum Ziel, Alltägliches und Verschwundenes wieder sichtbar zu machen. Mit ihrem Schaffen möchte sie Erinnerungen, vertrauten Hand- lungen und verschiedenen Vorgehensweisen nachspüren. Der Dialog so wie das Zusammenkommen von unterschiedlichen Lebenswelten, Ideen und Wissen spielen dabei immer wieder eine wichtige Rolle. Es entstehen daraus Video-/ Audio- und Rauminstallationen sowie künstlerische Interventionen und Aktionen. Mit ihren Arbeiten, die unter Beteiligung entstehen, eröffnet sie Möglichkeitsräume – zum Re-Agieren, zum Mitwirken. Lea Fröhlicher`s Tun bewegt sich zwischen künstlerischer, zum Teil kollaborativer Produktion, Film, Art Education und Kuration. Diese Tätigkeiten überschneiden sich zum Teil und inspirieren sich gegenseitig.


